Reise nach Armenien
Eine Woche in Armenien - mit Rucksack und Schlafsack quer durch´s Land. Hab mich wie kurz nach dem Abi gefühlt. Jeden Tag neu entscheiden, in welche Richtung es weiter geht. Die fremde Sprache, das weite Land, die uralte Geschichte dieses Volkes - eine ganz andere Welt.
Im Süden des Landes wanderte ich in eine so einsame Gegend, dass die Stille schon unheimlich wurde. Erst in solch einer Gegend, nach ein paar Tagen Einsamkeit merke ich, wie laut ich sonst lebe. Und wie un-einsam die menschliche Einsamkeit ist. Wenn wir in unsere Einsamkeit kommen begegnen wir dort so vielem. Viele Selbstbilder, die im Alltag kontinuierlich genährt werden verblassen und mit der Zeit kommt man an die tieferen Schichten der Seele. Der Bereich im Herzen, der nicht mehr von aussen ernährt wird, sondern direkt von Gott. In einer Nacht in der ich draussen übernachtet hab, spürte ich nochmal diesen direkten Zuspruch Gottes: Du bist ein Geliebter Gottes und ein Berufener. Alles andere wird vergehen, aber dies Bewußtsein meiner wahren Identität - das ist das Fundament für alles weitere.
Kaum etwas ist sicher oder kontrollierbar. Das Leben ist ein Geheimnis. Aber es ist auch vorhergesehen. Nicht unbedingt vorherbestimmt, aber doch vor-gesehen. Was ist für mein Leben vor-gesehen? letztlich das Wachsen in der Liebe und im Glauben. Und dies als Geschenk an andere weitergeben - dafür sind wir auf diese Welt gesandt.

Kloster Novarank
Kloster Novarank
- Kloster Novarank




Gila sagt
am 29. September 2009 @ 02:59
Lieber Jan,
dein Bericht “Armenien” ist ergreifend und hat mich an meine Wanderung – pilgern Camino Frances - erinnert.
Auch ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Einsamkeit von der du sprichst, eigentlich gar keine Einsamkeit ist. Man ist nicht allein, man spürt die Gegenwart Gottes, man fühlt sich von ihm geliebt, wird von ihm getragen.
Und auch ich erlebe immer wieder den Zuspruch „Du bist mein geliebtes Kind – hab keine Angst, ich bin bei dir“. Und die Verheißung „Siehe, ich sende meinen Engel vor dir her, der dir den Weg bereiten soll“ gibt mir ein Gefühl von Ruhe, Frieden, Gelassenheit, einfach beschützt und aufgehoben zu sein.
Ich wünsche dir noch ganz viele solcher „einsamen“ Wanderungen!
Paul Sajelian sagt
am 7. November 2009 @ 14:09
Hallo Jan,
Freut mich, daß Du einigermaßen zufrieden wars.
Die Ruhe und die Einsamkeit hast Du in einem sehr pulsirienden , religiösen und eigenartigen Land gesucht und gefunden.
Fortsetzung ist unbedingt erforderlich.
Paul der Optiker